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Darkmode oder Lightmode - pro & contra und ein paar Anekdoten

Die meisten Entwickler ziehen den Darkmode vor. Aber performen wir im Darkmode tatsächlich besser? 

Betrachten wir zuerst einige Vor- und Nachteile ohne auf gesundheitliche Aspekte einzugehen.

Dann habe ich ein paar Daten und Zahlen und was mich an dem Thema noch so interessiert hat, wie Vorlieben, subjektives Empfinden und Erkenntnisse aus der Forschung. 

Ergänzend noch wie Plattformen diese Präferenzen nutzen, um die Verweildauer der User zu „manipulieren“.

Pro

  • Energieersparnis
    • OLED – und AMOLED – Bildschirme sparen weniger Strom, als man denkt. Bei normaler Helligkeit (50%) etwa 3-9%. Bei strahlend hellem Sonnenlicht (100%) allerdings bis zu 49%. [Quelle: Purdue University, Dark mode may not save your phone’s battery life as much as you think…]
    • Längere Akkulaufzeit bei Smartphones – ca. 20-30%, bevor das Licht ausgeht, die Zahlen schwanken [Quelle: Mobile Enerlytics: Darkmode]
    • Längere Akkulebensdauer – auf 2 Jahre gerechnet spart man 100 – 150 Ladezyklen, die Zahlen schwanken [Quelle: Techhub Africa]
  • Weniger blaues Licht – erleichtert abends das Einschlafen, weil es die Melatoninproduktion weniger stört – falls ihr euch das jetzt fragt: tagsüber passiert das nicht
  • Schont die Augen in dunklen Räumen, weniger Kontrast.
  • IDE – Syntax Highlighting kommt auf dunklem Hintergrund besser zur Geltung. Das gilt für oder Videos und Bilder genauso. 

 

Contra

  • Schwarz auf weiß liest sich schneller – wir reden von längeren Texten. 
  • Evolution Der Mensch ist tagaktiv. Als Jäger und Sammler kann er Objekte der Begierde und Gefahren bei Helligkeit besser erkennen. Konturen, Schatten sieht er einfach bei Licht besser.
  • Kameraeffekt: Im Darkmode bei heller Umgebung weiten sich die Pupillen unnötig (Tiefenschärfe sinkt), im Lightmode verengen sie sich passend zur Helligkeit (Tiefenschärfe steigt)

Kleiner Exurs: Noch eins, falls jemand sich das fragt – E-Bookreader nutzen eine andere Technik als Monitore oder Smartphones. E-Ink – sie reflektieren das Licht, leuchten nicht von Innen, wie Monitore. Das Lesen soll dem eines Buches entsprechen.

Darkmodenutzer in Zahlen

Hier gibt es je nach Community, die man befragt unterschiedliche Werte. Grob gesagt:

  • 1/3 Darkmode
  • 1/3 Dark- und Lightmode, je nach Anwendung
  • 1/3 Lightmode [Quelle: Nielsen Norman Group]

Darkmode nach Alter

  • 18-24 Jahre – 53%
  • 25-49 Jahre – 38%
  • über 65 Jahre – 13% - was wohl an der Community liegt aber auch weil ältere Augen mehr Licht und Kontraste benötigen [Quelle: Medium . Thinkdesign, aber nicht wirklich belegbar, s. auch National Institute of Health, die nicht das genaue Alter betrachten]

Warum ziehen User den Darkmode vor?

Laut Studien von Nielsen Norman sind die 3 Hauptgründe

  • Visueller Komfort in der Nacht 68%
  • Minderung der Augenmüdigkeit
  • Sieht cooler aus

Das Paradox

Spannend ist der Widerspruch zwischen dem Gefühl und der tatsächlichen Leistung. Probanden haben bei Tests (Logik, Textverständnis und Suchtests) im Lightmode schlicht besser abgeschnitten. Dieselben Probanden zogen trotzdem den Darkmode vor. 

Menschen ziehen den Darkmode meist aus ästhetischen und emotionalen Gründen vor, auch wenn die eigentliche Leistung im Lightmode höher ist.

[Quelle: Taylor & Francis]

Lesen und Schreiben

Getestet wurde beim Schreiben Geschwindigkeit und Fehlerquote aber auch die subjektive Präferenz. [Quellen: UX Collective und Research Gate]

Menschen lesen lieber und effizienter (Textverständnis) im Lightmode. Die Produktivität ist um 26% höher als im Darkmode [Quelle: Nielsen Norman Group]. 

Aber beim Schreiben haben wir wieder ein Paradox: Programmierer und andere schreiben lieber im Darkmode, weil sie sich dabei wohler fühlen und nehmen die Fehler wissentlich oder unwissentlich in Kauf (gilt nicht fürs Coden, nur fürs Texten. [Quelle: UX Collective]

Wie nutzen Plattformen die Präferenzen zur Manipulation?

Es geht hier um beide Modi. Social Media, Shops, etc. nutzen die Modi unterschiedlich.

Bei Video- oder Bildfokussierten Plattformen (YouTube, TikTok) konzentriert sich alles auf das Bild/Video, wenn der Darkmode genutzt wird. Der Darkmode – gerade am Abend – erhöht die Verweildauer. Das hatten wir ja schon, wir ermüden nicht so schnell und konsumieren fleißig weiter. Das Zeitgefühl wird abgeschaltet oder unterdrückt.

Im Darkmode triggern Farben stärker – was wir beim coden brauchen – hier werden wir manipuliert.

Bei anderen Plattformen wie z. B. Amazon wird der Lightmode eingesetzt. Schwarz auf weiß schafft Vertrauen, vermittelt Seriosität und Transparenz. Für Kaufentscheidungen und andere finanzielle Entscheidungen ist Lightmode der Freund.

Bei den Plattformen steht also Lightmode für schnelles Verstehen und Vertrauen, der Darkmode für digitalen Konsum.

 

Fazit

Darkmode und Lightmode sind keine universell gültigen Filter für Augengesundheit, bessere Lesbarkeit oder Stromersparnis. Es gibt gute Gründe, sie situativ einzusetzen. Kein Programmierer würde auf den Darkmode verzichten aber einen langen Text lesen die Meisten lieber schwarz auf weiß. Auch Autoren und Texter schreiben lieber schwarz auf weiß.

Aber heute erklärt sich das anders: Der „Flashbang“ von Dunkel nach hell erwischt jeden, der den ganzen Tag auf Dunkel geschaut hat. 

Jeder kennt das: Die Mutter, die Kinder zum Aufwachen durch Öffnen der Vorhänge geweckt hat. Der Wechsel von Dunkel nach hell triggert uns alle. Das kann ich nicht durch wissenschaftliche Studien belegen, aber das sind Erfahrungen, die bestimmt nicht nur ich gemacht habe und die evolutionär logisch erscheinen.

  • Von Dunkel zu hell – Gefahr
  • Von Hell zu dunkel - Sicherheit

 

Anekdotisches aus alten Tagen

Ich habe den Artikel geschrieben, als ich darüber sinnierte, warum Menschen Dark-  oder Lightmode vorziehen.

Die Älteren werden sich erinnern: Schreiben gelernt haben wir auf einer Schiefertafel – weiß auf schwarz. Die Tafel in der Schule war (und ist) dunkel, die Kreide weiß.

Also war die erste Erfahrung mit der modernen Welt des Lernens eher Darkmode.

Allerdings waren keine beleuchteten Monitore im Spiel.

Darkmode und Fotoalben – die ersten Fotoalben nutzten den Darkmode, um Fotos hervorzuheben. Schwarze Seiten, auf die Fotos gepinnt wurden. Egal ob die Fotos farbig oder schwarz-weiß sind. Schwarz reflektiert kein Licht, darum kamen die Kontraste auf den Bildern besser zur Geltung.

Was gilt für Lesen unter der Bettdecke mit der Taschenlampe? Auch da war die Lichtquelle nicht im Medium selbst. Aber ein analoges Beispiel für das Lesen am Smartphone im Lightmode bei Dunkelheit. Die Pupille weitet und verengt sich häufig, was ermüdend wirkt. Wenn das Buch also nicht unendlich fesselnd ist, könnte das die Ermüdung und Einschlafen fördern.

Die ersten Bildschirme boten grüne Schrift auf schwarzem Grund – später auch orange. Ging einfach nicht anders. Wir waren daran gewöhnt, darum irritierte uns später der weiße Monitor mit seiner Helligkeit. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. 

 

Andrea Herzog-Kienast

Andrea Herzog-Kienast ist Inhaberin der Kienast Datenverarbeitung und arbeitet seit 2003 mit TYPO3

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